Videoproduktion Marionettentheater Puppenschiff Mainaschaff bei Aschaffenburg: Jamu hält die Pfote ihres Dromedars, Titelbild zur Weihnachtswoche
Videoproduktion·Dezember 2021·Von Jens Bergander

Theaterverfilmung Marionettentheater: Wie das Puppenschiff trotz Absage sein Publikum fand

Videoproduktion und Videomarketing für ein Marionettentheater

Das Marionettentheater Puppenschiff in Mainaschaff musste seine Dezembervorstellung pandemiebedingt erneut absagen. Statt ganz auszufallen, habe ich das Theaterstück „Jamu und sein Dromedar“ als kompakte Theaterverfilmung umgesetzt, damit es trotzdem zu den Zuschauern nach Hause kommt.

Aus einer abgesagten Vorstellung wurde so ein Streaming-Angebot: Das Stück lief eine Woche lang kostenlos auf der Puppenschiff-Homepage, begleitet von einer eigenen Videomarketing-Kampagne, um möglichst viele Besucher im Vorfeld zu erreichen. Für ein kleines Theater ohne eigene Marketingabteilung war das eine ungewohnte Aufgabe, plötzlich musste eine Bühnenproduktion für Bildschirme und Social-Media-Feeds übersetzt werden statt für einen vollen Theatersaal.

Warum aus einer Absage ein Streaming-Angebot wurde

Eine abgesagte Vorstellung bedeutet für ein Theater entgangene Einnahmen und enttäuschte Familien, die sich schon lange auf den Weihnachtstermin gefreut hatten. Statt die Produktion komplett ausfallen zu lassen, entschied sich das Puppenschiff, das fertig geprobte Stück aufzuzeichnen und für eine begrenzte Zeit online zu stellen. Damit blieb wenigstens ein Teil der Vorstellung erreichbar, auch wenn der eigentliche Saal leer bleiben musste.

Für mich als Videograf bedeutete das, kurzfristig ein Format zu entwickeln, das ein Marionettenstück filmisch dokumentiert und zugleich so aufbereitet, dass es auch ohne den Live-Moment im Saal funktioniert. Kein Konzertmitschnitt, sondern eine eigenständige Theaterverfilmung mit klarer Struktur.

Ein Marionettenstück filmisch einfangen

Marionettentheater lebt von Details, den Fäden, der Mimik der Puppen, den kleinen Bewegungen, die die Illusion von Leben erzeugen. Beim Dreh ging es darum, nah genug zu sein, um diese Details sichtbar zu machen, ohne dabei die Bühnenkomposition zu verlieren, für die das Stück eigentlich gebaut wurde.

Für ein Publikum, das normalerweise live im Saal sitzt, sollte die Videoversion trotzdem nach echtem Theater aussehen, nicht nach einer Notlösung. Dafür kamen mehrere Kamerapositionen zum Einsatz, weite Einstellungen für die komplette Bühne und Nahaufnahmen für die Gesichter der Puppen, im Schnitt so kombiniert, dass ein durchgängiger Spannungsbogen entsteht statt einer reinen Aneinanderreihung von Szenen.

Eine Bühnenwelt aus Wüste und Königreich

„Jamu und sein Dromedar“ erzählt seine Geschichte vor einer aufwendig gebauten Kulisse: sandfarbene Wüstenlandschaften, eine orientalisch anmutende Stadtmauer und ein Königreich mit eigenem Thronsaal, bewacht von goldenen Katzenfiguren. Neben Jamu und seinem Dromedar treten weitere Marionetten auf, eine herrschsüchtige Königin mit Krone und Zepter, ein römischer Soldat in Rüstung und mehrere Nebenfiguren, die die Szenerie beleben.

Diese Vielfalt an Figuren und Schauplätzen war beim Dreh eine eigene Herausforderung: Jede Szene hat ihre eigene Lichtstimmung, vom warmen Wüstenlicht bis zum dunklen, goldbeleuchteten Thronsaal, und die Kamera musste sich in jeder dieser kleinen Welten neu orientieren, ohne dass der rote Faden der Geschichte verloren geht. Erst im Zusammenspiel aller Schauplätze entsteht die Reise, die das Stück erzählt, von der Wüste über die Stadt bis zum Thronsaal, und genau diese Reise sollte auch in der Videoversion spürbar bleiben.

Videomarketing für ein Theater, keine Werbeagentur

Neben der eigentlichen Verfilmung habe ich Thumbnails und Werbespots mit Motion-Graphics-Elementen für verschiedene Social-Media-Plattformen entwickelt, jeweils im passenden Format für Facebook und Instagram. Ziel war, mit angepassten Teasern und aussagekräftigen Vorschaubildern gezielt Aufmerksamkeit für die Streaming-Woche zu erzeugen.

Für ein kleines Theater wie das Puppenschiff ist das ein Balanceakt: die künstlerische und emotionale Seite des Stücks transportieren und gleichzeitig genug Reichweite erzeugen, damit die Vorstellung trotz Absage ihr Publikum findet. Anders als bei einer klassischen Werbekampagne stand hier nicht der Verkauf eines Produkts im Vordergrund, sondern die einfache Botschaft: Das Stück findet trotzdem statt, nur eben zu Hause auf dem eigenen Bildschirm.

Zwei Kampagnen-Formate für zwei Plattformen

Instagram und Facebook stellen unterschiedliche Anforderungen an Bildformate, deshalb sind die Cover-Motive gleich in zwei Seitenverhältnissen entstanden: quadratisch im 1:1-Format für den Instagram-Feed und breit im 16:9-Format für Facebook. Beide Versionen greifen dieselben Bühnenfotos auf, Jamu und sein Dromedar, die Königin auf ihrem Thron, den römischen Soldaten, aber jeweils so zugeschnitten und mit Text versehen, dass sie auf der jeweiligen Plattform sofort funktionieren.

So entstand aus einer einzigen Fotoserie ein ganzes Set an Werbematerial, das auf beiden Kanälen zur Streaming-Woche des Puppenschiffs hinführte, konsistent im Look, aber jeweils für das Format optimiert, in dem es tatsächlich ausgespielt wurde.

Ein Format, das über die Pandemie hinaus blieb

Was als Notlösung für eine abgesagte Vorstellung begann, hat dem Puppenschiff gezeigt, dass ein zweiter Kanal neben der klassischen Bühne funktionieren kann. Eine Verfilmung ersetzt keinen Theaterbesuch, aber sie erreicht Familien, die es an dem einen Termin nicht in den Saal geschafft hätten, und sie gibt einem Stück eine zweite Lebensdauer über die Spielzeit hinaus.

Für ein Marionettentheater, das sonst ausschließlich live auftritt, war das ein kleiner, aber wichtiger Schritt: zu zeigen, dass die eigene künstlerische Arbeit auch außerhalb des Saals Bestand hat, wenn sie mit der richtigen Theaterverfilmung aufbereitet wird.

Cover Designs

Meine Rolle

Als Videograf für das Puppenschiff

Ich habe das Theaterstück „Jamu und sein Dromedar“ verfilmt und dazu Thumbnails und Werbespots mit Motion-Graphics-Elementen für Social-Media-Kampagnen entwickelt.

Geliefert wurden eine streamingfähige Verfilmung der Vorstellung sowie plattformgerechtes Videomarketing-Material für Facebook und Instagram, jeweils im passenden 1:1- und 16:9-Format.

Jens Bergander

Jens Bergander

Fotograf & Videograf · screen-box · Aschaffenburg

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